Autismus

 

Autismus ist keine psychische Erkrankung, sondern eine schwerwiegende Entwicklungsstörung, die früh im Leben beginnt, möglicherweise sogar vor der Geburt. Bei autistischen Kindern wird das Gehirn anders "verdrahtet", so dass sie stark auf Reize wie Geräusche oder Berührungen reagieren. Die meisten Kinder zeigen:

 

  1. Probleme in der sozialen Interaktion und Kommunikation (z.B. kein Blickkontakt, Unfähigkeit Gesten oder Gesichter zu imitieren, unvollständiges Verständnis die Gefühle und Stimmungen (Ärger, Freude, Spaß, Trauer, Täuschungsmanöver) anderer Personen zu erkennen,
  2. Schwierigkeiten in der sprachlichen und nicht sprachlichen Kommunikation. Viele Kinder sprechen gar nicht und wenn sie überhaupt sprechen, können sie das oft schlecht. Auffallend ist, dass den Kindern schwer fällt mit jemandem ein Gespräch anzufangen oder eines weiterzuführen.
  3. sehr begrenzte Interessen und eingeschränktes, sich wiederholendes (=stereotypes) Verhalten. Kinder mit Autismus tun viele Male hintereinander und zwar tagtäglich genau das Gleiche. Sie bevorzugen einfache Handlungen, wie Klötze in eine Reihe sortieren, die Finger in bestimmter Weise bewegen, sich schaukeln und lieben eine bestimmte Ordnung im Zimmer. Wenn man diese Ordnung auch minimal stört, rasten sie aus.

Ursachen

​Kürzlich haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Autismus nicht ein einheitliches Störungsbild ist, sondern, dass es sich hierbei um verschiedene Störungen handelt, deren Ursachen verschiedene Gene (z.B. HOXA-1) sind oder Umweltfaktoren (z.B. Röteln der Mutter in der Schwangerschaft, keimschädigende Substanzen wie Alkohol, Nikotin, Valproinsäure). Ein Großteil der Autismus-Fälle tritt jedoch offensichtlich unabhängig von diesen Risiken auf.

 

Einige Experten vermuten, dass Autismus in den ersten drei Schwangerschaftsmonate entsteht. Tatsächlich fand Strömland und Kollegen, dass Kindern von Schwangeren, die in den 60er Thalidomid (ein Medikament für die morgendliche Übelkeit der Schwangerschaft) eingenommen hatten, Autismus entwickeltenJedes zwanzigste Kind aus der genannten Studie wies Autismus auf.  Die Thalidomid-geschädigten Autisten litten an Funktionsstörungen der Hirnnerven und wiesen in Mimik oder/und in den Augenbewegungen Anomalien auf. Zusätzlich war eine leichte Fehlbildung auffalend, dass die Ohrspitze der Kinder um mehr als 15 Grad nach hinten weist.

 

Neurowissenschaftliche Untersuchungen

 

Aus neurowissenschaftlicher Sicht stellte sich die Frage, weshalb Menschen aus dem autistischen Spektrum nicht in der Lage sind Gefühle oder Gesichtsausdrücke zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Liegt das vielleicht daran, dass autistische Menschen die Gefühle und Gesichtsausdrücke ihrer Mitmenschen nicht richtig spiegeln? 

Tatsächlich fand man heraus, dass das "Gesichts-Erkennungs-Areal" im Gehirn (der sog. Gyrus fusiformis) bei Menschen mit Autismus stumm bleibt, wenn sie Gesichter betrachten. Daher sind sie nicht in der Lage anhand des mimischen Ausdrucks den emotionalen Gesichtsausdruck zu erkennen und richtig zu deuten. Diese ist die Aufgabe der Spiegelneuronen. Sie helfen uns in die Gefühle der anderen hineinzuversetzen, die Welt sozusagen aus der Perspektive des anderen nachzuempfinden. Menschen aus dem autistischen Spektrum sind dafür nicht in der Lage, weil das "Gesichts-Erkennungs-Areal" gar nicht anspringt. Stattdessen schaltet sich ein anderer Bereich ein, den neurotypische Menschen zur allgemeinen Objekterkennung nutzen. Daher fassen Autisten Gesichter nicht als etwas Besonderes auf. Dies erklärt, weshalb sie Schwierigkeiten haben, Gesichter zu interpretieren und Emotionen wiederzuerkennen.

 

Der μ-Rhythmus und Neurofeedback

 

Heute ist uns auch bekannt, dass die Aktivität der Spiegelneuronen in direkten Zusammenhang mit den Wellen des μ-Rhythmus steht. Diese Wellen werden normalerweise unterdrückt, wenn das Gehirn damit beschäftigt ist, eine eigene Handlung oder die von einer anderen Person auszuführen, zu beobachten oder sich diese vorzustellen. Die Spiegelneuronen von Menschen mit Autismus reagieren nur auf ihre eigenen Handlungen. Studien zeigten, dass mittels Neurofeedback die Unterdrückung von μ-Wellen trainiert werden könnte, mit dem Ziel, Spiegelneurone zu reaktivieren und das Imitationsvermögen zu verbessern.

 

 

Quellen

 

Bernier, R. et al. (2009) EEG Mu Rhythm and Imitation Impairments in Individuals with Autism Spectrum Disorder, Brain and Cognition.

 

Oberman LM, Ramachandran VS, Pineda JA (2008) Modulation of μ suppression in children with autism spectrum disorders in response to familiar or unfamiliar stimuli: the mirror neuron hypothesis. Neuropsychologia 46:1558–1565.

 

Pineda JA, Brang D, Hecht E et al (2008) Positive behavioral and electrophysiological changes following neurofeedback training in children with autism. Res Autism Spectr Disord 2:557–581.

 

Strömland K., Nordin V., Miller M., Akerström B., Gillberg C (1994). Autism in thalidomide embryopathy: a population study. Dev Med Child Neurol. 36(4):351-6.

 

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